Walter Kletzl
Architekt
1998
Weingut Tement, Berghausen / Austria

Die sanfte Topographie des Bergrückens erfordert hier einen behutsamen Umgang mit dem Ort. Um dem Rechnung zu tragen, werden wesentliche Teile des großen Raumprogramms unter die Erde verlegt, was auch für die klimatischen Bedingungen eines Weinkellers von Vorteil ist. Jedoch wird durch mannigfaltige Eingänge und Verschneidungen Tageslicht in das Innere des Berges geführt. Tanklager, Flaschenlager und Faßlager ziehen sich in Form von langgestreckten schlauchartigen Kellern auf verschiedenen Ebenen durch den Hügel und umschlingen so, funktionell gut angebunden, die zentral gelegenen Weinbereitung.

 " Es füllt auch niemand neuen Wein, der noch gärt, 
in alte Schläuche;  sonst werden die Schläuche
platzen, und der Wein geht verloren.  Nein, neuer 
Wein gehört in neue Schläuche." 

Markus 22,2
Die Wahl von amorphen Formen ermöglicht ein optimales Wachsen und Schrumpfen der Kubaturen sowohl in der Phase des Entwurfs wie auch im Falle einer Erweiterung oder Reduktion, ohne das das Konzept beeinträchtigt wird. Es ist in gewisser Weise elastisch. Konkret wird der Formfindungsprozess hier bewußt offen gehalten, um auch subtileren Einflüssen und programmatischen Veränderungen möglichst auch noch bis nach der Fertigstellung gewachsen zu sein. Das Projekt stellt sich so gegen ein Frieren eines transitorischen Prozesses- vielmehr wird das über eine Kerze gehaltene Wachs immer wieder schmelzen können.

Tanklager


Dieses Lager
beherbergt
Die 6 Meter hohen
Nirostatanks
und ist als
großer Tank aus
Cortenstahl
konzipiert.
Flaschenlager


Der Beton des
Flaschenlagers
wird mit Glasstücken
versetzt, hinter
denen teilweise
künstliches Licht
montiert, oder
Tageslicht
hereinfließen kann.
Faßlager, Verkauf
Verkostung

Das ganz unten liegende
Faßlager soll direkt in
den Muschelkalk
eingegrabenwerden.
Wo das Faßlager
den Muschelkalk verlässt,
schießt dieses vertikal
in den Himmel um Verkauf,
Verkostung und eine
Aussichtsplattform  
aufzunehmen.
Kelterturm
im Krater

Die Weinbereitung
selbst strukturiert
sich streng von oben
nach unten und
formt einen Krater in
den Hügel.
„Das Geheimnis der Schläuche“


Durch das programmatische
Ineinanderschlingen und Durchdringen
entstehen in deren Überlagerung
auch neue Situationen, die wie
Zwischenfälle die Hauptprogramme
erweitern.